„Tage mit Felice“ von Fabio Andina ist das Buch zum Runterkommen. Der namenlose Icherzähler berichtet darin vom scheinbar ereignisarmen Alltag des neunzigjährigen Felice, einem Eigenbrötler, den er begleitet und der mit der Welt seinen Frieden gemacht hat. Schauplatz ist ein Bergdorf im schweizerischen Tessin, das sich mit dem Nachbarn Italien kulturell stark verbunden fühlt. Felices Tag beginnt Sommer wie Winter meist vor dem ersten Hahnenschrei mit einem Bad in einem eiskalten Gebirgsbach. Danach wird gefrühstückt und Holz gehackt. Mal geht es in die Bar, um Neuigkeiten auszutauschen, mal in den Nachbarort zum Mittagessen. Gemüse wird geerntet, Pilze werden gesammelt und mit der Nachbarin gegen Käse getauscht. Überhaupt steht der Tauschhandel in Felices Dorf hoch im Kurs. Wunderbar sind die Pausen auf der Granitbank vor dem Haus. Dann noch eben die Gaskartusche bei Vittorina austauschen. Der wortkarge Felice hat immer etwas zu tun, und fast immer tut er etwas für andere.

„Tage mit Felice“ ist ein minimalistisch erzählter Roman über die Kunst des einfachen Lebens und zugleich das Porträt eines Bergdorfs mit seinen Bewohnern, von denen nicht wenige über Achtzig sind. Fabio Andina schildert keine Idylle, die Bewohner sind den Härten der Jahreszeiten ausgesetzt und niemand hat ein leichtes Auskommen. Und doch ist da eine starke Gemeinschaft, die Leben und Tod teilt und niemanden zurücklässt. Während und nach der Lektüre fühlte ich mich erfrischt und entschleunigt. Was ist denn wirklich wichtig und wie führe ich ein gutes Leben? Felice hilft auf jeden Fall bei der Beantwortung dieser Fragen!

 

 

Gebunden, 24,-- EUR *)

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