• karin2015
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 *): Preisangaben: Irrtum vorbehalten

 

 

„Feinde“ ist der Debütroman von Susanne Saygin. Sie hat fünf Jahre zum Thema Roma, Korruption und Menschenhandel recherchiert.
Für den türkischstämmigen Polizisten Can fängt alles mit einem Doppelmord an zwei jungen Männern im Roma-Milieu in einer deutschen Großstadt an. Da kein potentieller Zeuge redet, gestalten sich die Ermittlungen als sehr zäh, offenbar handelt es sich um eine Art Roma-interne Angelegenheit, die niemanden etwas angeht. Aber eins ist Can dann doch schnell klar: Der Doppelmord ist eine Warnung an andere. Doch wofür? Dann tritt der große Unbekannte auf und Cem wird ausgebremst, darf nicht mehr ermitteln. Cem ermittelt undercover weiter, geht bis an seine persönlichen Grenzen und darüber hinaus. Wir begleiten ihn dabei auf einer Reise vom wohlsituierten Deutschland in das Armenhaus Europas nach Rumänien. Was er dort erfährt nimmt einem den Atem und macht unglaublich wütend.
Gleichzeitig ist dieser Krimi ein Liebesroman, wenn auch nicht der zuckersüßen Art. Can ist schon lange in seine Mitbewohnerin Isa verliebt, die mehr als nur ein Geheimnis hat und irgendwie in den Fall verwickelt zu sein scheint. Die komplizierte Beziehung der beiden wird überwiegend in Rückblenden erzählt und nimmt einen großen Raum ein.
„Feinde“ ist ein sehr gradliniger Krimi in einer sehr klaren Sprache. Was ihn besonders macht, ist die Reduzierung. Er wird konsequent nur aus der Sicht von Can erzählt und überhaupt gibt es nur zwei Hauptpersonen, alles andere sind Randfiguren. Sieht man über Cans anfängliche Kopfschmerzen hinweg (zu Beginn könnte der Krimi auch „Aspirin“ heißen) hat man einen hervorragenden politischen Krimi.

 

Kartoniert, 12,99 EUR *)

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Nora Krug ist 1977 in Karlsruhe geboren und lebt als Illustratorin schon seit 17 Jahren in den USA, wo sie mit ihren Zeichnungen und Bildergeschichten sehr erfolgreich ist. „Heimat“ ist ein großartiges opulentes Bilderbuch für Erwachsene, in dem sie ihre persönliche Familiengeschichte mit der deutschen Geschichte verknüpft. Sie geht der Frage nach, was denn die deutsche Identität ausmacht und inwiefern das Wissen um die Beteiligung eigener Angehöriger am Aufstieg der Nazis, am Zweiten Weltkrieg am Holocaust Folgen für die eigene Identität und den Umgang mit der eigenen Familiengeschichte hat. Oder anders gesagt: Was haben ihre Großeltern mütterlicherseits und väterlicherseits während des Dritten Reiches getan oder nicht getan. Eine mutige Frage, denn sie weiß nur wenig über das Leben ihrer Großeltern in dieser Zeit und wer weiß was dabei herauskommt. Außerdem treibt sie die Frage um, wer sie eigentlich ist und was Heimat ist.
Sie reist also mehrfach nach Deutschland, befragt Eltern, Verwandte und andere Personen, wälzt Fotoalben, durchsucht Dachböden und forscht in Archiven. Die gefundenen Antworten hat sie grafisch aufgearbeitet, sie hat daraus gezeichnete und handgeschriebene Bildergeschichten, gespickt mit Familienfotos; Flohmarktfunden und Dokumenten gemacht. Zum Thema „Heimat“ hat sie einen „Katalog deutscher Dinge“ erstellt, in dem man neben Wald auch Hansaplast und Wärmflasche findet.
„Heimat“ ist ein einzigartiges Erinnerungskunstwerk, in dem Familiengeschichte auf Zeitgeschichte trifft, lebendig, wahr und poetisch erzählt.
Blättern Sie rein!

 

Gebunden, 28,-- EUR *)

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Mechthild Borrmanns neuer Roman beginnt 1945 mit Ende des 2. Weltkrieges und spielt im deutsch-belgischem Grenzgebiet. Hauptdarsteller sind die jugendliche Henni und ihre jüngeren Geschwister. Die Familie ist arm und als die Mutter plötzlich stirbt, übernimmt Henni die Verantwortung für ihre Geschwister, kümmert sich um sie und bestreitet wie viele andere aus dem Dorf aus der Not heraus mit Kaffeeschmuggel den Lebensunterhalt der Familie. Eines Nachts geschieht dann das Unfassbare: Hennis Schwester, ebenfalls im Kaffeeschmuggel aktiv, wird von Zöllnern erschossen. Das Leben von Henni und ihren Geschwistern ändert sich dramatisch. Die „Kriminelle“ Henni kommt in eine Besserungsanstalt, die jüngeren Geschwister in ein kirchliches Heim. Dort stirbt der jüngste Bruder an einer Lungenentzündung. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit … . Nach dem Entlassen Hennis aus der Besserungsanstalt, wird sie Zeit ihres Lebens um Gerechtigkeit kämpfen und versuchen, den Tod ihres Bruders aufzuklären. Dabei wird sie, mit ihrer „kriminellen“ Vergangenheit, immer wieder mit Vorurteilen überschüttet. Trotzdem wird sie ihren Weg gehen, findet ihr Glück, bis die Vergangenheit sie eines Tages einholt und sie wieder zu Unrecht beschuldigt wird.
Die Autorin lässt das Leben von Henni zum großen Teil von Elsa, einer Freundin aus Kindertagen rückblickend erzählen. Wir schreiben das Jahr 1970. Elsa fährt regelmäßig zum Gericht um einen Prozess zu verfolgen. Angeklagt ist ihre alte Freundin Henni – wegen Mordes.
Mechthild Borrmann ist mit „Grenzgänger“ ein packender wie sehr aufwühlender Roman, eingebettet in ein düsteres Stück Zeitgeschichte. Es ist die tragische Lebensgeschichte einer lebenshungrigen Frau, die ihrer Jugend beraubt wird, der viel Unrecht geschieht, die an Gerechtigkeit glaubt und daran verzweifelt. Die Geschichte hat mich sehr mitgenommen!

 

Gebunden, 20,-- EUR *)

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Hauptdarsteller dieses Romans ist der knapp 50jährige Ingwer Feddersen, der in sein nordfriesisches Dorf Brinkebüll zurückkehrt, um sich um seine altgewordenen Großeltern Ella und Sönke zu kümmern, die alleine nicht mehr gut zurechtkommen. Dafür hat er sich ein Sabbatjahr genommen, eigentlich hat er eine Stelle als Archäologe an der Universität Kiel. Sein Leben steckt in einer Sackgasse, er hat immer noch keine Familie gegründet, lebt immer noch in seiner Studenten-WG und liebt immer noch Neil Young. Und von seiner Heimat ist er nie ganz weggekommen. Ingwer kommt in ein Dorf zurück, dass er kaum wiedererkennt. Es gibt keine Schule mehr, kein Bäcker und kein Kaufmann. Keine Störche auf dem Dach der Kirche, auf den Feldern keine Kühe, keine kleinen Bauernhöfe, keine Mittagsstunde, nur noch Mais und Wind, Wind, Wind. Aber es sind nicht nur Dinge verschwunden, es gibt jetzt einen Dorfkulturverein und eine Line-Dance-Truppe. Und es gibt auch Dinge, die offenbar immer bleiben. Das sind die Kapuzenkinder, die morgens an der Bushaltestelle auf den Schulbus in die Stadt warten und es ist der Gasthof, der Ingwers Großeltern gehört und hinter dem Tresen steht immer noch der über 90jährige Sönke, Ingwers Großvater. Manchmal mit Rollator, wenn er gerade nicht so gut kann. Viele Feste gibt es nicht mehr, das ein oder andere Bier muss Sönke aber noch zapfen.
Der Roman spielt abwechselnd in dieser Gegenwart und in der Vergangenheit. Ende der 1960ger Jahre, als Ingwer auf die Welt kommt, sind die Großeltern noch jung, der Gasthof ist das Zentrum des Dorfes, das Dorf ist lebendig und Ingwers Mutter Marret läuft als „Dorfverrückte“ durch die Straßen und verkündet den Weltuntergang. Die Schule, der Bäcker, der Kaufmann, familienbetriebene Bauernhöfe, alles noch da. Aber es war früher nicht alles besser. Da werden Kinder geschlagen, lieblose Ehen geführt, Kuckuckskinder untergeschoben und so manch einer träumt von einem anderen Leben.
Dörte Hansen beschreibt faszinierend, wie es nur anderthalb Generationen brauchte, um das Leben auf den Dörfern für immer zu ändern. Sie beschreibt wie die Flurbereinigung und das Verlangen des Marktes nach immer größeren landwirtschaftlichen Betrieben die Struktur der Dörfer veränderte. Sie erzählt vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust und Abschied. Und sie tut es mit noch mehr Wärme und psychologischem Gespür und Liebe für ihre Romanfiguren, als bei „Altes Land“. „Mittagsstunde“ kommt nicht so leicht daher, ist deutlich ernsthafter. Die Geschichte ist wehmütig und so war ich froh, dass es nicht nur um Abschiede geht, sondern zum Schluss auch um einen Neuanfang.
Großartig, ich bin begeistert!

 

Gebunden, 22,-- EUR *)

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Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, steht mit seinen Krimis (z.B. die Reihe um Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez) regelmäßig auf der Bestellerliste. Grund genug für mich mal einen zu probieren und ich bin nicht enttäuscht worden!

Die neue Reihe „Rachesommer“, „Racheherbst“ und „Rachewinter“ spielt jeweils in Leipzig und in Wien. In Leipzig ermittelt Kommissar Walter Pulaski, in Wien die Anwältin Evelyn Meyers. Zum Fall: In verschiedenen Städten, unter anderem in Wien und in Leipzig, werden mehrere Männer im besten Alter, erfolgreich und vermögend, grausam ermordet. Eines haben sie gemeinsam: Sie haben sich alle kurz vor ihrem Tod mit einer geheimnisvollen dunkelhaarigen Frau getroffen. Doch diese Frau bleibt ein Phantom. Beide, also Kommissar Walter Pulaski in Leipzig und Anwältin Evelyn Meyers in Wien, sind in diese Fälle verwickelt zunächst ohne dies voneinander zu wissen. Sie verbeißen sich in den Fall und als sie erkennen, dass sie die Mordserie nur gemeinsam lösen können, kann sich der Täter bzw. die Täterin natürlich nicht mehr sicher fühlen. Allerdings ist der Täter raffinierter, als sie denken - und spielt auch mit ihnen sein gefährliches Spiel ... .

Richtig gute Krimikost! Leicht zu lesen, spannend und flüssig erzählt, ohne Längen und mit sympathischen Hauptfiguren.

 

Taschenbuch, 9,99  EUR *)

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