• lenzi2015
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*): Preisangaben: Irrtum vorbehalten

 

 

Dora kommt aus guter Familie, hat einen angesagten Job als Werbefrau und lebt in einer tollen Beziehung in Berlin. Doch dann passieren zwei Sachen: Die alltäglichen Auseinandersetzungen mit ihrem Freund über den "richtigen" Lebenswandel und den Umgang mit der Klimakatasrophe beginnen zu eskalieren. Dann bricht die Corona-Pandemie aus und wirkt wie ein Verstärker dieser Konflikte. Dora flieht aus Berlin in ein altes Gutsverwalterhaus, das sie sich heimlich in der brandenburgischen Provinz in einem kleinen Dorf namens Bracken gekauft hat. Sie beginnt, das Haus und das dazugehörende Flurstück wohn- und nutzbar zu machen. Dabei kommt sie unweigerlich in Kontakt mit den Nachbarn, die so gar nicht dem Menschentypen entsprechen, den sie aus ihrem Berliner Umfeld gewohnt ist. Sie merkt ziemlich schnell, dass ihr Gelingen in Bracken aber nun einmal von diesen Menschen abhängt.

Beim Lesen des Klappentextes dachte ich: Schon wieder ein brandenburgisches Dorf in der tiefsten Walachei? Beim Lesen des Buches dachte ich dann: Ja, genau dort gehört die Geschichte hin. Genau in die Mitte des derzeitigen Geschehens, von dem man immer denkt, es spielt nur in den großen Zentren. Aber dort kann sich jeder in seiner Blase aufhalten, die "richtigen" Meinungen vertreten und die "richtigen" Jobs machen. Man kann sich abgrenzen von dem, was der eigenen Weltsicht widerspricht. In einem kleinen Dorf in Brandenburg ist das nicht möglich. Ein Protagonist des Romans bringt es auf den Punkt: "Hier in Bracken sind wir unter Leuten. Da kann man sich nicht über Menschen erheben." Ein treffender Satz und ein feiner Verweis auf das andere fiktive Juli-Zeh-Dorf.

Ein großartiges Plädoyer für ein menschliches Miteinander abseits der politischen Korrektheit und des derzeitigen Meinungs- und Deutungshoheitswahns, mit sehr viel Sprachwitz und elegant geschrieben.

 

Gebunden, 22,--  EUR *)

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Tante Martl ist die Tante der Autorin. Und um sie, ihre Generation und ihre Familie geht es in diesem Buch.

Als Tante Martl geboren wurde, 1925 in Zweibrücken in der Südpfalz, war sie das dritte Kind der Familie. Sie hatte zwei ältere Schwestern, Rosa und Bärbl, alle drei je 2 Jahre auseinander. Und sie war wieder nur ein Mädchen! Dem Vater war das so peinlich, dass er kurzerhand nach der Geburt den Nachbarn und Freunden gegenüber einfach einen „Martin“ daraus machte und das Kind sogar als Jungen beim Standesamt meldete. Das ging einige Wochen gut – so ein Säugling in seinem Wagen ist ja auch nicht als Junge oder Mädchen zu erkennen. Auch die Mutter machte das Ganze einige Zeit mit, dann jedoch stellte sie ihren Mann vor die Wahl: Entweder du gehst zum Standesamt und berichtigst den Fehler oder ich gehe mit den Kindern weg! Er ging und korrigierte den Fehler, im Ort jedoch wird so eine Sache nicht vergessen. Ihr ganzes Leben lang wurde die Familie davon verfolgt, augenzwinkernd, tuschelnd.

Martl – jetzt Martina - war jedoch von ihrem Vater – jetzt erst recht- ungeliebt, was er sie sein Leben lang spüren ließ. Sie ließ alles stumm über sich ergehen und floh in ihre Welt, in der sie analytisch ihre Umgebung vermaß und Bildung aufsog.

Während die Schwestern Liebschaften hatten und das Haus nach ihrer Eheschließung verließen (Rosa heiratete jung in eine reiche Familie, der Mann fiel jedoch im Krieg), blieb Martl bei ihren Eltern. Sie studierte, wurde Lehrerin und kümmerte sich weiterhin um ihren und den Haushalt der Eltern, die sie später auch pflegte. Die Familie hatte nie etwas anderes erwogen, es schien unausgesprochen gottgewollt zu sein, dass Martl sich kümmerte. Und Martl widersprach nicht. Sie wurde Patentante von Rosas Tochter aus zweiter Ehe, der Autorin, und versuchte, ihrer Nichte eine gute Tante zu sein, ihr das zu geben, was Rosa als in ihren Augen unpatente Person ihr nicht geben konnte.

Der Tod der Eltern war für Martl eine Befreiung: Sie begann zu reisen, begann, tiefere Bekanntschaften zu pflegen – ob es wirklich Freundschaften waren, bezweifelt die Autorin. Auch emanzipierte sie sich von ihren Schwestern, die ihr zunehmend fremd wurden. Nur zu ihrer Nichte pflegte sie engen Kontakt.

Collagenhaft erzählt Ursula März die Geschichte ihrer Tante und der Familie, manchmal anekdotenhaft, mit viel Lokalkolorit, dramatisch und herzerwärmend.
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Taschenbuch, 11,00 EUR *)

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Wer die Geschichten mag, die der Fabulierkünstler Heinrich Steinfest sich ausdenkt und aufschreibt, wird seinen neuen Roman lieben. Ich muss gestehen: Ich bin ein Steinfest-Junkie.
Seine Romane drehen sich stets um die Lebensläufe und -brüche von Menschen, die auch ein »normales« Leben führen könnten, sich aber immer aufgrund einschneidender Ereignisse für eine spontane Änderung ihres eigenen Lebenslaufes entscheiden. So wurde in »Der Allesforscher« aus einem erfolgreichen Geschäftsmann ein Bademeister, in » Die Büglerin« aus einer Meeresbiologin eine Haushaltshilfe. Diese Lebensbrüche und Schicksalswendungen kleidet Steinfest in eine elegante  Sprache, mit Esprit und Humor, zu keiner Sekunde langweilig und immer mit einem Schuss Mystik.

In seinem neuen Roman nun geht es um Paul Klee, nein, nicht verwandt mit DEM Paul Klee. Klee ist Chauffeur mit Leib und Seele, zwei Ereignisse -ein dramatisches und ein amouröses- veranlassen ihn jedoch, seinen Beruf aufzugeben und ein kleines Hotel im ländlichen Nirgendwo in Süddeutschland zu eröffnen, das er sehr erfolgreich gemeinsam mit seiner großen Liebe führt. Doch dann verändern sowohl kriminelle als auch kosmische Ereignisse nicht nur das Leben aller Beteiligten, sondern die ganze Welt.

Wie immer: Großartig! Steinfest fesselt.

 

 

Gebunden, 22,00 EUR *)

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Kalmann ist Mitte dreißig, lebt allein und macht den besten Gammelhai von ganz Island. Nein, den zweitbesten: Sein Großvater, mit dem er bisher zusammenlebte, machte den besten. Kalmann wuchs bei ihm auf, lernte alles über den Grönlandhai, der in großen Tiefen lebt und kompliziert zu fangen und zu verarbeiten ist, und er lernte von ihm auch alles, um auf Island in einem kleinen Dorf im Nordosten als Dorftrottel zu überleben. Kalmann ist zwar leicht behindert, aber nicht doof: mit seinem Cowboyhut, dem Sheriffstern und seinem Colt achtet er darauf, dass in seinem Dorf alles seine rechte Ordnung hat und behält.

Nun wird sein Großvater dement und lebt im Pflegeheim in der nächsten Stadt, der örtliche Hotelbesitzer verschwindet und hinterlässt nur eine große Blutlache, und auch andere merkwürdige Dinge passieren, die nicht nur Kalmann aus der Bahn werfen.

Warmherzig, humorvoll und voller Wendungen wird die Geschichte mit viel isländischem Lokalkolorit aus Sicht des liebenswerten Kalmann erzählt. Ein echtes Lesevergnügen!

 

 

Gebunden, 22,00 EUR *)

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Die Schweiz Anfang des 14. Jahrhunderts: Der halbwüchsige Sebi lebt mit seiner Mutter und seinen beiden älteren Brüdern in einem kleinen Dorf in der Nähe des Klosters Einsiedeln. Der Glaube, die Kirche und der harte Überlebenskampf der kleinbäuerlichen Selbstversorger bestimmen das Leben und die Weltsicht der Menschen dieser Zeit. Eines Tages taucht ein Fremder im Dorf auf, der sich rasch im Dorf nützlich macht und wegen seiner Erfahrungen in der Heilkunde allseits geachtet wird. Sie nennen ihn den Halbbart, weil eine Gesichtshälfte vernarbt ist und dort kein Bart wächst. Sebi freundet sich mit ihm an und merkt bald, dass sein vorgezeichnetes Leben als Mönch, Bauer oder Soldat nichts für ihn ist.

Charles Lewinsky ist mit seinem neuen Buch wieder einmal eine echte Zeitreise gelungen: Dadurch, dass er seinen jungen Protagonisten Sebi unbekümmert über seine Umgebung und die Geschehnisse plaudern lässt, werden der Zeitgeist, der Alltag und die tiefe Glaubenswelt der Menschen des Mittelalters höchst lebendig. Mit viel Erzählfreude rüttelt der Autor auch an einem Gründungsmythos der Schweiz, der 'Schlacht am Morgarten', die archäologisch nie nachgewiesen werden konnte.

 

 

Gebunden, 26,00 EUR *)

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